Auktion: 368 / Moderne Kunst am 12.06.2010 in München Lot 48

 
Wladimir Georgiewitsch von Bechtejeff - Reptilien

48
Wladimir Georgiewitsch von Bechtejeff
Reptilien, 1911.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 250.000
Ergebnis:
€ 378.200

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Öl auf Leinwand
Links unten monogrammiert "WB" (im Dreieck). 65 x 85 cm (25,5 x 33,4 in)

PROVENIENZ: Julius Martin, München 1912.
Gerta Martin-Zweifel, St. Gallen.
Setty Martin, Zürich.
Privatsammlung Schweiz.

AUSSTELLUNG: Neue Künstlervereinigung München, III. Ausstellung, Moderne Galerie Thannhauser, München, 18.12.1911-1.1.1912, Kat.Nr. 6a (auf dem Rahmen mit Klebeetikett).

LITERATUR: Annegret Hoberg/Helmut Friedel, Der Blaue Reiter und das Neue Bild. Von der Neuen Künstlervereinigung München zum Blauen Reiter, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 2.7.-3.10.1999, S. 362 (Reproduktion des Ausstellungskataloges Neue Künstlervereinigung München, III. Ausstellung).

Nach Beendigung seiner Ausbildung an der Militärakademie in Moskau beginnt Wladimir Bechtejeff 1902 an der dortigen Akademie der Künste Malerei zu studieren. Auf Rat Alexej von Jawlenskys kommt er noch im selben Jahr nach München, wo er bis 1905 bei Heinrich Knirr sein Studium fortsetzt. Von 1906 bis 1909 lebt Bechtejeff in Paris. Nach München zurückgekehrt, tritt er 1909 der "Neuen Künstlervereinigung München" bei.

In den Werken von Wladimir Bechtejeff finden sich stilistische Annäherungen zu fast allen Kunstströmungen der Zeit. Formal einem ausgehenden Jugendstil mit symbolistischen Elementen verhaftet, schafft er eine sehr eigene sinnlich-dekorative Bildwelt, die in ihrer intensiven Farbgebung auch Elemente des Expressionismus vereinnahmt. Bechtejeff, der sich für den Ausdruckstanz interessiert - er ist mit dem Tänzer und Choreografen Alexander Sacharoff befreundet -, lässt sich in seinen Personendarstellungen stark davon beeinflussen. Doch auch eine andere Komponente darf in unserer interessanten Komposition nicht übersehen werden: Die Zeit, in der das Werk entsteht, ist erfüllt von einem neuen Verständnis für die Frau, die bislang eher als Dienende, als Mutter gesehen worden war. Doch nun wird die starke Frau entdeckt, das Weib, das die Richtung vorgibt. Ob Salomé oder Lulu, die Frau ist es nun, die den Mann verführt und gelegentlich mit Lust in das Verderben stürzt. Die drei sich räkelnden "Reptilien", eindeutig Frauen, sind sich dieser geheimen Macht bewusst. Ihre sinnliche Ausstrahlung verleiht ihnen eine Macht der Betörung, die zugleich eine der Zerstörung ist. Auch in diesem Sinne sollte der von Bechtejeff gewählte Bildtitel verstanden werden.

Die "Neue Künstlervereinigung München" verlässt Wladimir Bechtejeff 1912 aus Protest gegen einen publizistischen Angriff der Gruppe auf die abstrakte Malerei. In der Folge entstehen ornamental-flächige Kompositionen in dynamisiertem Farbrhythmus, die jedoch figurative Bezüge beibehalten. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges bricht Bechtejeffs künstlerische Entwicklung abrupt ab. Er kehrt nach Russland zurück und wird sofort zum Militärdienst eingezogen. Danach arbeitet Bechtejeff zunächst in der Moskauer Kommission für Denkmalschutz und anschließend in den Jahren 1921/22 als Bühnenbildner, später als gestalterischer Leiter im Staatszirkus Moskau. In den 1920er und 30er Jahren ist er vorwiegend als Illustrator tätig. Darüber hinaus widmet er sich in seinem Spätwerk neben der Ölmalerei auch der Aquarell- und Gouachetechnik. Zunehmende Anerkennung erfährt Bechtejeff in seiner Heimat nach dem Ende der stalinistischen Verfehmung. [KD].

48
Wladimir Georgiewitsch von Bechtejeff
Reptilien, 1911.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 250.000
Ergebnis:
€ 378.200

(inkl. 22% Käuferaufgeld)