Auktion: 360 / Moderne Kunst am 12.12.2009 in München Lot 146

 
Alexander Kanoldt - Häuser

146
Alexander Kanoldt
Häuser, 1913.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 40.260

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Öl auf Leinwand
Links unten signiert und datiert. Auf dem Keilrahmen nochmals signiert und datiert. 68,5 x 81 cm (26,9 x 31,8 in)

Die Arbeit wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis von Dr. Michael Koch, München, aufgenommen.

PROVENIENZ: Galerie Neue Kunst Hans Goltz, München (auf dem Keilrahmen mit dem Etikett).
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Neue Secession, München 1914.
Alexander Kanoldt 1881-1939, Gemälde - Zeichnungen - Lithographien, Museum für Neue Kunst, Freiburg/Von der Heydt-Museum der Stadt Wuppertal, 1987, Kat.Nr. 21 (mit Abb. S. 111).
Schwabing - Kunst und Leben um 1900, Münchner Stadtmuseum, 21.9 - 27.9.1998 (mit Abb.).

LITERATUR: Deutsche Kunst und Dekoration 34, 1914, Abb. S. 328.

Alexander Kanoldt wird am 29. September 1881 als Sohn des spätklassizistischen Landschaftsmalers Edmund Friedrich Kanoldt in Karlsruhe geboren. Im Alter von achtzehn Jahren beginnt er zunächst eine Lehre als Dekorationsmaler an der dortigen Kunstgewerbeschule, wechselt jedoch 1901 an die Akademie der bildenden Künste. Bei Ernst Schurth eignet sich Kanoldt erste zeichnerische Grundlagen an und befreundet sich mit dem Kommilitonen Adolf Erbslöh. In dieser Zeit studiert er intensiv die Technik der Neoimpressionisten, die ihn zu drucktechnisch aufwändigen Farblithografien anregen. 1904 setzt Kanoldt sein Studium in der Malklasse von Friedrich Fehr fort und wird 1906-09 dessen Meisterschüler. 1908 siedelt der Künstler nach München über, wo er ein Jahr später u.a. mit Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter die "Neue Künstlervereinigung München" gründet, einem Vorläufer des "Blauen Reiter". An deren erster Ausstellung 1909 in der Münchner Modernen Galerie von Heinrich Thannhauser ist auch Kanoldt beteiligt.

Von 1910 bis 1911 wohnt Kanoldt am Münchner Nikolaiplatz in Schwabing. Mehrfach malt er diesen Platz mit abgewandelten architektonischen Details. Durch die klaren Konturen abgegrenzter Gegenstandsformen wird eine strenge Ansicht des Blickes über die Dächer Schwabings gestaltet. Die gedämpfte Farbigkeit ist durch feine Nuancen in den einzelnen Flächen belebt. So wird trotz der illusions-nüchternen Darstellung eine magische Aura geschaffen.

1913 ist der Künstler neben Karl Caspar, Jawlensky und Paul Klee Mitglied der "Münchener Neuen Secession". Kanoldts künstlerische Laufbahn wird durch den Kriegsausbruch unterbrochen, in den Jahren 1914-18 leistet er als Offizier Kriegsdienst. Während eines längeren Italien-Aufenthaltes entstehen 1924 multiperspektivische Architekturlandschaften und kühle Raumdarstellungen. Das vorliegende Bild verweist schon auf diese spätere Schaffensperiode. Diese Arbeiten stellen einen Neubeginn in Kanoldts Schaffen dar und lassen ihn 1925 an der Ausstellung "Neue Sachlichkeit" in der Kunsthalle Mannheim teilnehmen, wo er neben Max Beckmann mit dem größten Werkkonvolut vertreten ist. Im selben Jahr wird er von Oskar Moll an die Breslauer Kunstakademie berufen, die er jedoch 1931 wieder verlässt. 1932 wird er Mitglied der Münchner Künstlergruppe "Die Sieben" und nimmt an deren Ausstellungen teil. Obwohl er noch 1933 als Professor an die Kunstakademie in Berlin berufen wird, gelten Kanoldts Werke unter dem NS-Regime als "entartet" und werden 1937 beschlagnahmt. Bereits ein Jahr zuvor musste er die Professur in Berlin aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. 1939 erlag Alexander Kanoldt einem Herzleiden. [EH].

146
Alexander Kanoldt
Häuser, 1913.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 30.000
Ergebnis:
€ 40.260

(inkl. 22% Käuferaufgeld)