Auktion: 350 / Moderne Kunst am 19.06.2009 in München Lot 219

 
Emil Nolde - Pfingstrosen in blauer Vase


219
Emil Nolde
Pfingstrosen in blauer Vase, 1930.
Aquarell
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 146.400

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Lot: 219
Emil Nolde
1867 Nolde/Nordschleswig - 1956 Seebüll/Schleswig-Holstein
Pfingstrosen in blauer Vase. Wohl 1930/40er Jahre.
Aquarell.
Links unten signiert. Auf feinem Japanbütten. 43,2 x 35,7 cm (17 x 14 in), blattgroß.

Mit einer Foto-Expertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 8. Mai 2009. Das Werk ist dort registriert.

PROVENIENZ: Privatsammlung Süddeutschland (direkt vom Künstler erworben).

1867 wird Emil Nolde, im deutsch-dänischen Grenzland geboren. Nach einer Lehre als Möbelzeichner und Holzschnitzer 1884-88 in Flensburg erhält er 1892 am Gewerbemuseum in St. Gallen eine Stellung als Lehrer für gewerbliches Zeichnen. Dort wird Nolde durch kleine farbige Zeichnungen der Schweizer Berge bekannt. Mit dem Entschluss, Maler zu werden, geht Nolde nach München, doch die Akademie unter Franz von Stuck lehnt ihn ab. Es folgt ein Studium an der privaten Malschule von Adolf Hölzel in Dachau und ab 1899 an der Académie Julian in Paris. 1900 mietet er ein Atelier in Kopenhagen, 1903 zieht er auf die Insel Alsen. Durch die Auseinandersetzung mit den Neoimpressionisten gelangt Nolde ab 1905 von einem romantischen Naturalismus zu seinem eigenen Stil, in dem die Farbe eine wesentliche Rolle spielt. 1906 lernt Nolde während eines Aufenthaltes in Alsen die "Brücke"-Maler kennen, deren Gruppe er sich vorübergehend anschließt. Mit Porträtstudien beginnt die Hinwendung zum Aquarell. Als Nolde 1909 in dieser Technik erstmalige Versuche auf nicht saugfähigem Papier unternimmt, dabei das Blattweiß in großen Teilen stehen lässt und auf eine Konturierung verzichtet, sind diese Neuerungen zukunftsweisend. Nach einer Kontroverse mit Max Liebermann wird Nolde aus der "Berliner Sezession" ausgeschlossen und gründet 1910 mit anderen zurückgewiesenen Künstlern die "Neue Sezession". Ab 1916 verbringt er den Sommer auf der Insel Föhr und lässt sich 1928 in Seebüll nieder. Der dort angelegte Garten wird zur unerschöpflichen Inspirationsquelle seiner Malerei, auch Küstenlandschaften und religiöse Szenen werden zu tragenden Sujets.
Nolde ist kein Blumenmaler und doch kommt diesem Thema ein bedeutender Platz in seinem Œuvre zu. Versucht er in seinen frühen Blumenbildern, welche im Garten seines Elternhauses entstehen, noch eine scheinbar unendliche Fülle von Stiefmütterchen oder Tulpen in Öl auf Leinwand zu bannen, so nimmt er sich der Darstellung von Blumen in seinen späteren Arbeiten vornehmlich im Medium des Aquarells an. Noldes Liebe zu den Blumen reicht in seine Kindheit zurück und begleitet seine gesamte künstlerische Laufbahn. Wie in unserem Beispiel ist es die Reinheit und Freiheit der Farbe, aber auch die Verbindung von Schönheit und Vergänglichkeit, welche den Künstler immer wieder aufs Neue reizt. "Die blühenden Farben der Blumen und die Reinheit dieser Farben, ich liebe sie. Ich liebe die Blumen in ihrem Schicksal: emporsprießend, blühend, leuchtend glühend, beglückend, sich neigend, verwelkend, verworfen in der Grube endend. Nicht immer ist unser Menschenschicksal ebenso folgerichtig und schön [...]" (zitiert nach Martin Urban, Emil Nolde. Blumen und Tiere. Aquarelle und Zeichnungen, Köln 1965, S. 7-8).
Im Krieg als Künstler verfemt, dazu seit 1941 von einem Arbeitsverbot der Nationalsozialisten betroffen, malt Nolde ab 1938 in Seebüll seine "Ungemalten Bilder", viele hundert kleine Aquarelle, die er nach 1945 als Ölbilder wieder aufgreift. Am 13. April 1956 stirbt Nolde in seinem Haus in Seebüll. [JS].

In sehr guter, farbfrischer Erhaltung.

EUR: 80.000 - 100.000 DIFF.(19%)
US$: 109.120 - 136.400




219
Emil Nolde
Pfingstrosen in blauer Vase, 1930.
Aquarell
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 146.400

(inkl. 22% Käuferaufgeld)