Auktion: 342 / Modern Art / Seitenwege am 03.12.2008 in München Lot 310

 
Emil Nolde - Seebüll unter blau-violettem Himmel


 
310
Emil Nolde
Seebüll unter blau-violettem Himmel, 1940.
Aquarell
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 158.600

(inkl. 22% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Seebüll unter blau-violettem Himmel. Um 1940.
Aquarell.
Rechts unten signiert. Auf Japan. 34,8 : 48,5 cm (13,7 : 19 in), blattgroß. Am 7. August 1867 wird Emil Hansen im deutsch-dänischen Grenzland geboren. Den Namen seines Heimatortes Nolde nimmt er später als Künstlernamen an. Mit dem Entschluss, Maler zu werden, geht Nolde 1898 nach München, doch die Akademie unter Franz von Stuck lehnt ihn ab. Es folgt ein Studium an der privaten Malschule von Adolf Hölzel in Dachau und ab 1899 an der Académie Julian in Paris. Durch die Auseinandersetzung mit den Neoimpressionisten Vincent van Gogh, Edvard Munch und James Ensor gelangt Nolde ab 1905 von seinem anfänglich romantischen Naturalismus zu einem eigenständigen Stil, in dem die Farbe eine wesentliche Rolle spielt; es entstehen farbintensive, leuchtende Blumenbilder. 1906 lernt Nolde auf Alsen die "Brücke"-Maler kennen, deren Gruppe er sich vorübergehend anschließt. In einer Reihe von Porträtstudien beginnt die Hinwendung zum Aquarell. Als Nolde 1909 in dieser Technik erstmalige Versuche auf nicht saugfähigem Papier unternimmt, dabei das Blattweiß in großen Teilen stehen lässt und auf eine Konturierung in der Gegenstandserfassung verzichtet, sind diese Neuerungen zukunftsweisend. Nach einer Kontroverse mit Max Liebermann wird Nolde aus der "Berliner Sezession" ausgeschlossen und gründet 1910 mit anderen zurückgewiesenen Künstlern die "Neue Sezession", an deren Ausstellungen er bis 1912 teilnimmt. Von einer Expedition nach Neu-Guinea bringt er 1914 reiches Studienmaterial mit, das er in zahlreichen Werken noch bis 1915 verarbeitet. Ab 1916 verbringt er seine Sommer auf der Insel Föhr und lässt sich 1927 in Seebüll nieder. Der dort angelegte Garten wird zur unerschöpflichen Inspirationsquelle seiner Malerei, auch Küstenlandschaften und religiöse Szenen werden zu tragenden Sujets. Im Krieg als Künstler verfemt, dazu seit 1941 von einem Arbeitsverbot der Nationalsozialisten betroffen, malt Nolde ab 1938 in Seebüll seine "Ungemalten Bilder", viele hundert kleine Aquarelle, die er nach 1945 als Ölbilder wieder aufgreift.

Wohl in dieser Zeit entsteht auch unser Aquarell, das das selbst entworfene Wohn- und Atelierhaus des Künstlers unter einem stürmisch bewegten Himmel zeigt. "Die Wolken am hohen Himmel sind die eigentlichen Akteure in diesem flachen Land am Meer. Die Natur bietet ihm die Bilder wie auf einer riesigen Bühne, der Wolkenhimmel wird zur erregenden Szene mit den dramatischen Gestalten der Wolkenberge [...]" (M. Urban in: E. Nolde. Landschaften. Aquarelle und Zeichnungen, Köln 1969, S. 28). Trotz des dramatischen Tons der Komposition gelingt es Nolde, Licht und Farbe in vollkommener Harmonie zu vereinen und die veschiedenen Bildelemente durch eine rhythmisierte Farbgebung ineinander zu verweben. So spiegelt sich die Farbe des rot-violetten Klinkerbaus in den dräuenden Wolken, die ihrerseits ihren farbigen Schatten auf die weite, satt-grüne Marschlandschaft werfen.

In den letzten Lebensjahren entstehen vor allem Aquarelle mit Blumen- und Landschaftsmotiven aus der näheren Umgebung seines Hauses in Seebüll, wo Nolde am 13. April 1956 stirbt. [ME]
EXPERTISE: Mit einer Foto-Expertise von Herrn Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, vom 6. Oktober 2008. Das Werk ist dort registriert
PROVENIENZ: Galerie Jacques Benador, Genf.
Privatsammlung Süddeutschland (seit ca. 1960).

In guter Erhaltung. Kanten zum Teil unregelmäßig geschnitten. Technikbedingt mit unbedeutenden Knickspuren. Lose auf Unterlage aufgelegt.

310
Emil Nolde
Seebüll unter blau-violettem Himmel, 1940.
Aquarell
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 158.600

(inkl. 22% Käuferaufgeld)