Auktion: 306 / Modern Art und Post War am 05.12.2006 Lot 120

 
Leo Putz - Im Gautinger Garten


 
120
Leo Putz
Im Gautinger Garten, 1928.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 47.600

(inkl. 19% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Im Gautinger Garten. Um 1928.
Öl auf Leinwand.
Putz 993. Rechts unten signiert. Auf dem Keilrahmen hs. bezeichnet "Gauting". 100 x 110 cm ( 39,3 x 43,3 in).

PROVENIENZ: Privatsammlung Italien.

Gegen den Willen des Vaters siedelt Leo Putz bereits mit 16 Jahren nach München über, um bei seinem Stiefbruder Prof. Robert Poetzelberger ersten Zeichenunterricht zu nehmen. Es folgt eine künstlerische Ausbildung zunächst an der Münchener Akademie und 1891/92 an der Pariser Akademie Julian bei Bouguereau und Constant. Nach der Rückkehr aus Paris besucht Putz die Atelierklasse des Genremalers Paul Höcker. 1892 wird die Münchner Sezession gegründet, an deren Ausstellungen sich der Künstler jährlich beteiligt. 1899 entsteht aus der Atelierklasse Höckers die Künstlergruppe "Scholle", zu deren Gründungsmitgliedern Leo Putz gehört. Dem vorherrschenden Akademiestil und Historismus der damaligen Zeit wird eine neue, temperamentvolle Malweise entgegengesetzt, die den Einfluss Wilhelm Trübners erkennen lässt. Der Mensch, vornehmlich die Frau, wird zum zentralen Thema des künstlerischen Schaffens. Schönstes Beispiel hiervon geben die sog. "Hartmannsberger-Bilder", die in den Aktstudien badender Mädchen den Zauber und das Licht der Plein-air-Malerei einfangen. 1923 zieht Putz mit seiner Familie nach Gauting in Bayern. Der dortige Garten inspiriert ihn zu einer Reihe von Gemälden, zu denen auch das vorliegende Werk zählt.

Die Blumen und die Frauen - beides Motive, die Leo Putz besonders liebt. Sie sind hier in einer Komposition zusammengefügt. Die lockere Malweise, die dem Sujet sehr entgegenkommt, lässt an eine spontane Arbeit denken, die ganz unter dem Eindruck einer momentanen Eingebung entstanden ist. Putz hat hier dem Pinsel buchstäblich freien Lauf gelassen und kommt in der Auflösung der Formen einem Ideal der Freiluftmalerei nahe, die im Erfassen spontaner optischer Eindrücke ihre Bestätigung findet. Eine klug gewählte Komposition der Figuren vermittelt Ruhe und Geschlossenheit, die in spannungsreichem Kontrast zu der ausufernden Farbigkeit der Blumen stehen.

Putz verbringt die kommenden Jahre mit seiner Familie in Südamerika, dort erhält er eine außerordentliche Professur an der Escola Nacionala de Bellas Artes in Rio. 1933 kehrt der Künstler mit seiner Familie nach Gauting zurück. Sein Werk wird zwar mit einer großen Ausstellung vom Künstlerverein München geehrt, trotzdem sieht Putz sich 1936 gezwungen, vor den Nationalsozialisten in seine Geburtsstadt Meran zu fliehen. Am 21. Juli 1940 stirbt Leo Putz im Meraner Exil. [KD]

120
Leo Putz
Im Gautinger Garten, 1928.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 47.600

(inkl. 19% Käuferaufgeld)