Auktion: 300 / Klassiker des XX.Jahrhunderts am 02.06.2006 Lot 312

 
Edvard Munch - Weib mit rotem Haar und grünen Augen. Die Sünde

312
Edvard Munch
Weib mit rotem Haar und grünen Augen. Die Sünde, 1902.
Farblithografie
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 65.450

(inkl. 19% Käuferaufgeld)
Objektbeschreibung

Weib mit rotem Haar und grünen Augen. Die Sünde. 1902.
Farblithografie.
Woll 198 III (von V). Schiefler 142 c. Signiert und gewidmet (in Norwegisch, schwer leserlich) "Til Fru [...] veilyst Du Fat?". Auf breitrandigem Japanbütten 69 x 39,5 cm ( 27,1 x 15,5 in). Papier: 94,5 x 56 cm (37,2 x 22 in).
Die Dargestellte könnte Tulla Larsen sein, Freundin Munchs bis 1902. Der Name der Adressatin aus der Widmung gelöscht.

PROVENIENZ: Munch-Museum, Oslo.
Privatsammlung Skandinavien.
Hauswedell & Nolte, Auktion 235, 5./6. Juni 1980, Kat.Nr. 984.
Privatsammlung Süddeutschland.

Ausstellung: Edvard Munch. Graphik aus dem Munch-Museum Oslo, Ausst.Kat. München 29.11.1968-12.1.1969, Kat.Nr. 67 (mit ganzseitiger Farbtafel Nr. 45).
Ein Exemplar der Grafik wird derzeit in folgender Ausstellung gezeigt: 100 Jahre Brücke. Expressionismus aus Berlin, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, 24.2.-21.5.2006, Kat.Nr. 278, S. 35 (Farbabb. 19).

Bis 1884 studiert Edvard Munch in Oslo u.a. bei dem Bildhauer Julius Middelthun und dem Maler Christian Krogh. Schon bald ist Munch als selbstständiger Maler tätig, der mit seinem ihm eigenen Stil das Interesse der breiten Öffentlichkeit weckt. Seine Berliner Ausstellung 1892, die auf Einladung des Vereins Berliner Künstler hin stattfindet, verursacht einen Skandal und führt zur Gründung der Berliner Sezession. Die frühen Gemälde Munchs sind realistische Bilder mit einem stark emotionalen Gehalt - eine Grundstimmung im Schaffen des jungen Künstlers, die sich noch verstärkt, als er bei seinen ersten Aufenthalten in Paris um 1890 Toulouse-Lautrec, van Gogh, Gauguin und die Werke der Symbolisten kennenlernt. Ihre Arbeiten veranlassen ihn nicht nur zu einer größeren Vereinfachung der Formensprache, sondern auch durch neue bildnerische Mittel zu einer Steigerung des Ausdrucks. Mit dunklen Farben und in großflächig zusammengefassten arabeskenhaften Formen verleiht Munch seinen Bildern, deren Themen Grunderfahrungen des menschlichen Lebens wie Angst, Tod und Einsamkeit widerspiegeln, ihre expressive dramatische Ausdruckskraft. Auch in der Druckgrafik finden diese Motive durch die Sparsamkeit der Mittel ihre eindringliche Aussage.

Das Motiv entsteht vermutlich im Winter 1902 in Berlin, sicher auch in Kenntnis des berühmten Gemäldes von Franz von Stuck "Die Sünde", das in erster Fassung um 1891 entsteht. Munch interpretiert das Thema neu und ganz aus dem Menschlichen heraus. Für ihn ist nur die Frau die Verführerin, deren Dämonie der Mann erliegt. Die herausragende Lithografie wird in verschiedenen Farbvarianten von Lassally in Berlin gedruckt. Unser Blatt ist ein signifikantes Beispiel für die große Experimentierfreudigkeit in seinem grafischen Schaffen. In der reichsten Variante gedruckt, besticht es durch die differenziert-transparente Farbigkeit in Rotbraun, Ockergelb und Grün. Die eigenständige Bedeutung der Grafik - für Munch integraler Bestandteil seines Gesamtwerkes - lässt sich auch daran ablesen, dass er den technischen Ablauf des Druckens persönlich überwacht. Er legt stets allergrößten Wert darauf, während des Druckens anwesend zu sein, um so Einfluss auf das Ergebnis nehmen zu können. Was er für seine Radierungen schreibt, kann auch auf die Lithografie übertragen werden: "Der Maler muß seine Arbeit während des Drucks fortsetzen - die Geburt - hat einen Vater und eine Mutter - der Drucker ist nur die Hebamme - [...] - Blätter, die ohne Beisein des Künstlers gedruckt werden, sind keine Originalgraphiken" (in: Gerd Woll, WVZ, München 2001, S. 23). Die vorliegende Lithografie ist eine der bedeutendsten grafischen Arbeiten des Künstlers überhaupt und ein Meilenstein der europäischen Grafik um 1900.

1944 stirbt Munch auf seinem Gut Ekely. Seinen Nachlass vermacht er der Stadt Oslo, die damit 1963 das Munch-Museum eröffnet. [KR]

312
Edvard Munch
Weib mit rotem Haar und grünen Augen. Die Sünde, 1902.
Farblithografie
Schätzung:
€ 40.000
Ergebnis:
€ 65.450

(inkl. 19% Käuferaufgeld)