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Surrealismus in Belgien

In Belgien, genauer gesagt in der Hauptstadt Brüssel, formierte sich schon bald nach André Bretons erstem "Surrealistischen Manifest" eine Surrealistengruppe. Die Nähe zu Frankreich hatte Belgien seit jeher besonders empfänglich für die Neuerungen aus Paris gemacht, und auch im Falle des Surrealismus sollte sich die Nachbarschaft befruchtend auswirken. Tatsächlich entwickelte sich der belgische Surrealismus aber schon 1924 und somit nahezu zeitgleich zur französischen Spielart, jedoch weniger aus der Auseinandersetzung mit dem Dadaismus, der in Belgien keine feste Basis besaß.
Die belgische Surrealistengruppe wurde 1924 von drei Dichtern gegründet: Paul Nougé, Camille Goemans und Marcel Lecomte. Ferner zählten der Dichter Louis Scutenaire, der Musiker André Souris und seit 1938 auch der Dichter, Maler und Fotograf Marcel Mariën zur belgischen Surrealistengruppe. 1926 trat René Magritte gemeinsam mit E. L. T. Mesens der Gruppierung bei. E. L. T. (Edouard Léon Théodore) Mesens (1903-1971), Maler und Schriftsteller, hatte schon um 1924 mit Collagen und Fotomontagen experimentiert und rechnete gemeinsam mit seinem Freund René Magritte (1898-1967) zu den Gründungsvätern des belgischen Surrealismus; in seiner Galerie fand auch die erste belgische Surrealisten-Ausstellung statt. Die beiden Künstler hatten schon 1925 eine kurzlebige, dadaistisch gefärbte Zeitschrift gegründet, auf die 1926 die surrealistische Zeitschrift "Marie" folgte. Bis in die frühen 1950er Jahre hinein entstanden im Umfeld der belgischen Surrealistengruppe zahlreiche Publikationen und Gruppenausstellungen.
Der Hauptvertreter des belgischen Surrealismus ist unbestreitbar René Magritte, dessen intellektuell verfeinerte Bild-Wort-Spiele zu den internationalen Höhepunkten der Bewegung rechnen. Zwischen 1927 und 1930 lebte der Belgier in Paris, wo er auch mit der Breton-Gruppe in Kontakt getreten war. Der vielfältig wirkende Marcel Mariën und E. L. T. Mesens, Surrealist der ersten Stunde, standen Magritte zur Seite; Paul Delvaux (1897-1994) schuf seine Hauptwerke in den 1930er Jahren. Als weitere bedeutende Vertreter des belgischen Surrealismus sind Raoul Ubac, Jane Graverol, Rachel Baes, Marc Eemans und Armand Simon zu benennen.


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