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Spanische Kunst im 18. Jh.

In Architektur und Ornament erscheint der Spätbarock Spaniens als völlig eigenständige Epoche. Schon im 17. Jahrhundert war hier eine besondere Vorliebe für das schwere, wuchtige Dekor zu beobachten, die zwischen etwa 1690 und 1750 im spätbarocken Phänomen des "Churriguerismus" oder "Neu-Platereskenstils" gipfelte. Der Architekt und Bildhauer José Benito de Churriguera (1665-1725), nach dem der Stil benannt ist, entwickelte unter Rückgriff auf die Plateresken-Dekorationen der spanischen Spätgotik und Renaissance eine neuartige Ornamentsprache, die von seinen Nachfahren und Schülern in Spanien und in Portugal verbreitet wurde. Die üppige Ornamentik des Churriguerismus überzieht Fassaden, Einrichtungsgegenstände, Brunnen und Altäre; Hauptwerke des Stils sind etwa das Rathaus von Salamanca (Baubeginn 1720) oder der "Trascoro" der Kathedrale von Granada, den José de Bada 1741 entworfen hatte.
Die spanische Skulptur des 18. Jahrhunderts bediente einerseits diese ornamentalisierte Baukunst, andererseits pflegte sie weiterhin die gefasste, religiöse Holzskulptur, als deren Hauptmeister Francisco Zarcillo y Alcáraz (1707-83) gelten kann, der überaus lebendige Werke schuf. Dagegen trat die Malerei, die im 17. Jahrhundert ein "Goldenes Zeitalter" erlebt hatte, im Spätbarock eher in den Hintergrund. Die Höfe beriefen Künstler aus dem Ausland, insbesondere aus Italien, um die großen Aufträge auszuführen; so arbeiteten etwa Mengs und Tiepolo in Madrid. Besonders das Werk des Erstgenannten wirkte in der zweiten Jahrhunderthälfte befruchtend, beispielsweise auf die Brüder Gonzalez Velazquez. Diese können neben Mariano Maella, José Camarón y Boronat, José Luzán y Martínez und anderen als Hauptvertreter einer zwar oft virtuosen, aber tendenziell akademisch-eklektizistisch ausgerichteten einheimischen Kunst gelten, die erst mit Francisco José de Goya y Lucientes (1746-1828) wieder internationale Bedeutung erlangte.


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