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Post-Breton-Surrealismus

Der Pariser Surrealismus, der von André Breton geprägt und bestimmt war, geriet bereits in den späten 1920er Jahren, insbesondere aufgrund der zunehmenden Politisierung der Bewegung, in die Krise. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verschlimmerte sich die Situation, die Pariser Surrealisten wurden in den Untergrund gezwungen oder gingen ins Exil. So kam es zu einer internationalen Verbreitung der surrealistischen Ideen; und besonders die Kunstszene der USA wurde durch die Exilanten mit der Strömung infiziert, die auch auf die Ausprägung des Abstrakten Expressionismus wirkte.
Nach dem Ende des Krieges versuchte Breton, nun zurück in Paris, die Bewegung zu erneuern. Die Protagonisten des Pariser Surrealismus wirkten so durchaus auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg, erlangten jedoch keine maßgebliche Bedeutung mehr. Stattdessen traten neue Tendenzen hinzu, die auf dem Surrealismus aufbauten, ihn aber zugleich erweiterten und variierten.
Zukunftsweisend war die nur kurze Zeit existierende, 1947 von Christian Dotrement gegründete "Revolutionary Surrealist Group", die sich gegen den als reaktionär verstandenen Surrealismus Breton`scher Prägung wandte und das aktive Moment der Strömung betonte. Auch Asger Jorn war Mitglied der Gruppe, die 1948 zur Gründung von CoBrA führen sollte. Ebenfalls aus dem Surrealismus hervorgegangen und auch stark von Dada beeinflusst ist der Lettrismus, eine 1945 von Isidore Isou in Paris gegründete Bewegung, die Zeichen und Buchstaben an die Stelle von Figuration oder Abstraktion setzte. Beide Tendenzen stehen zudem am Beginn der Formierung der "Situationistischen Internationale".
In den USA bildet die 1966 gegründete, politisch motivierte "Chicago Surrealist Group" das Zentrum des Post-Breton-Surrealismus. 1976 war die Vereinigung maßgeblich an der Ausstellung des internationalen Surrealismus unter dem Titel "Marvelous Freedom/Vigilance of Desire" beteiligt. Mitglieder der Gruppe waren neben den Gründern Franklin und Penelope Rosemont auch Clarence John Laughlin, Gerome Kamrowski und Philip Lamantia.
Bis in unsere Tage hinein hat der Surrealismus nicht nur als Idee, sondern auch als Stil Gültigkeit bewahrt. Neuere Tendenzen, die auch Einflüsse anderer Strömungen wie Pop Art oder Informel verwerten, zeigen sich etwa bei Paul Schwietzke und Stephan Widera; auch Wolfgang Lettl und Frank Kortan arbeiten in einem zeitgenössisch-surrealistischen Stil.


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