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Gruppe "Rot-Blau"

Silvester 1924 gründeten einige zwanzigjährige Basler Künstler die Gruppe "Rot-Blau". Anlass dazu gab ihnen der von allen "Rot-Blau"-Mitgliedern gesuchte Anschluss an den Expressionismus der "Brücke" und der daraus resultierende Generationenkonflikt mit ihren Zeitgenossen.
Die im Juni 1923 in der Kunsthalle Zürich veranstaltete Ausstellung des deutschen Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) wirkte für den Stil der Gruppe "Rot-Blau" prägend. Die jungen Künstler waren begeistert und statteten dem Maler in seinem Schweizer Wohnsitz in Frauenkirch mehrere Besuche ab. Sie bekamen von Ernst Ludwig Kirchner nicht nur künstlerische Anregungen, sondern auch ausführliche Beratung.
Darüber hinaus zeichnen sich die Werke der "Rot-Blau"-Maler durch ähnliche stilistische Merkmale und Motive aus. Besonders beliebt bei der Gruppe "Rot-Blau" waren die dramatischen Berglandschaften der Schweiz, die eine Vertikalausrichtung mit einer beschleunigten Perspektive und einer leuchtenden und aggressiven Farbpalette aufweisen, die deutlich an die Werke Ernst Ludwig Kirchners erinnert. Auch ausdrucksstarke, in bedrückende Räume eingebettete Figurendarstellungen gehören zum Repertoire der Gruppe "Rot-Blau".
Trotz der vielen Gemeinsamkeiten entwickelten die Maler auch einen persönlichen Stil innerhalb des allgemeinen Rahmens und trugen entscheidend zur Etablierung des Expressionismus in der Schweiz bei. Sie lehnten offiziell jede stilistische Vorgabe ab und verstanden sich als Gemeinschaft von notbedürftigen Künstlern. Demzufolge war die Gründung der Gruppe "Rot-Blau" auch wirtschaftlich motiviert, um Ausstellungen, Verkauf und Vermittlung öffentlicher Aufträge zu fördern.
Der Ursprung des Namens der Gruppe "Rot-Blau" ist wie bei der von ihnen hochgeschätzten "Brücke" nicht eindeutig geklärt. Die Farbe "Rot" soll die wichtigere sein und sich auf ihre Revolte gegen die Tradition beziehen, während "Blau" einen romantischen Akzent setzt. Jedenfalls spielen "Rot" und "Blau" eine prominente Rolle in der Palette der Gruppe.
Nach nur drei Ausstellungen löste sich 1926 die Gruppe "Rot-Blau" wegen des Todes zweier Mitglieder auf. Sie wurde 1928 neu gegründet und bereits 1930 wieder aufgegeben. Zu den Mitgliedern der Gruppe "Rot-Blau" zählen Paul Camenisch, Karl Hindenlang, Albert Müller, Werner Neuhaus, Hermann Scherer, Hans Schmidt, Otto Staiger, Hans Stocker, Fritz Sulzbachner und Charles F. Vaucher.


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