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Lexikon
Geschichte

Der Begriff Geschichte leitet sich ursprünglich vom griechischen Wort i s t o r i a (lat. historia) ab und bedeutet eigentlich "Erkundung", "Erforschung". Geschichte hat die Aufgabe, die zeitlich geordneten Erscheinungen des menschlichen Daseins jeglicher Art forschend zu betrachten. Im wissenschaftlichen Sinne steht die Geschichte im Gegensatz zu der Natur. So läßt sich mit den beiden Worten Geschichte und Natur die Gesamtheit aller Erscheinungen in der Welt zusammenfassen. Auf der einen Seite nimmt unser Geist eine Erscheinung als ein Moment des Nebeneinanderseins auf, also als räumlich, auf der anderen Seite als ein Moment des Nacheinanderseins, also als zeitlich. Wird uns in der Natur ein stetiger Wechsel, eine periodische Wiederkehr in der Bewegung bewußt, so trifft ersteres zu. Die zeitliche Erscheinung tritt ein, wo ein kontinuierlicher Fortschritt wahrgenommen wird. Das Bewußtwerden von kontinuierlichem Fortschritt vollzieht sich nur in den Erscheinungen des menschlichen Lebens.

Neben der politischen Geschichte (Staaten- und Ländergeschichte) und Kulturgeschichte entwickelten sich im Laufe der Zeit immer mehr Spezialbereiche der Geschichte, z. B. die Rechts-Geschichte, Wirtschafts-Geschichte, Kirchen-Geschichte etc. Neben den Hilfswissenschaften wie Chronologie und Paläographie gelten als Grenzwissenschaften im Besonderen die Philosophie (Geschichtsphilosophie), Geographie (histor. Geographie) und Philologie.

In der Geschichtswissenschaft gibt es zwei Strömungen: Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung. Die Aufgabe der Geschichtsforschung ist es, histor. Quellenmaterial aller Art zu sichten. Die Geschichtsschreibung oder Historiographie stellt die Ergebnisse der Forschung da. Von einer objektiven Geschichtsschreibung spricht man, wenn der Historiker über die Dinge und Menschen an sich und ohne irgendeine Tendenz berichtet. Verfolgt der Autor dagegen bestimmte politische, religiöse etc. Ziele, die er dann bewußt oder unbewußt in seiner Darstellung einfließen läßt, um so die Ziele zu erreichen, so bezeichnet man dies als subjektive Geschichtsschreibung. Als Vertreter dieser Richtung sind Friedrich Christoph Schlosser und Johannes Janssen zu nennen. Zu der Strömung der objektiven Geschichtsschreiber gehört Leopold von Ranke und seine Schule. Für die deutsche Geschichte ist als ein grundlegendes bibliogr. Nachschlagewerk die Quellenkunde der deutschen Geschichte von Dahlmann und Waitz (8. Aufl. Leipzig 1912) zu nennen.