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Body Art

Die Body Art ist dem weiten Feld der Aktionskunst zuzurechnen. In der Body Art wird der menschliche Leib zum Arbeitsmaterial. Der Körper fungiert als Medium, mit dem abstrakte Prozesse und kulturelle Phänomene dargestellt werden können. Der Körper, vor allem der nackte Leib, wurde seit den 1960er Jahren zunehmend zur Projektionsfläche für geschlechtsspezifische Fragestellungen. Beispiele sind hier das "Tapp- und Tastkino" (1968) von VALIE EXPORT (geb. 1940) und deren Auftritt mit der "Aktionshose: Genitalpanik" (1969) sowie die Aktion "Imponderabilia" von Marina Abramovic (geb. 1946) und Ulay (geb. 1943) aus dem Jahr 1977, bei der die nackten Künstler als "lebende Türen" in der Rahmung des Museumseinganges standen und ihn derartig verengten, dass beim Eintreten ein direkter Körperkontakt zwischen Künstlern und Besuchern erzwungen wurde.
Schließlich fanden Aktionen statt, in denen Künstler ihren Körper herausforderten, malträtierten und sich selbst Verletzungen zufügten. Die Arten der Selbstverstümmelungen umfassten ein breites Spektrum, wobei Schmerz und Leiden zentrale Metaphern waren, die über das Medium des Körpers erfahrbar gemacht und gleichsam in den Körper eingeschrieben werden sollten. Exemplarisch angeführt seien hier Chris Burden (geb. 1946), der sich von einem Freund mit dem Revolver in den Oberarm schießen ließ ("Shoot", 1971), Gina Panes (1939-90) "Escalade non-anesthésiée" (1971), bei der die Künstlerin ein präpariertes Metallgitter auf- und abkletterte, dessen Sprossen mit Rasierklingen und Dornen besetzt waren, damit sie sich bei jeder Bewegung ins Fleisch bohrten, die "Zerreißprobe" (1970) des Wiener Aktionisten Günter Brus (geb. 1938) oder Vito Acconci (geb. 1940), der sich an sämtlichen für ihn erreichbaren Stellen in den eigenen Körper biss, diese Spuren mit Tinte einfärbte und als individualisierte Stempel verwendete ("Trademarks", 1970).
Eine besondere Rolle nimmt das anwesende Publikum ein, wird die Aktion damit doch häufig um den Faktor des Mitleidens, der "compassio", erweitert. Einen Schritt weiter geht Kathy O'Dell in ihrer Studie "Contract with the skin", wenn sie einen imaginären und doch verbindlichen Vertrag zwischen Beobachter und Künstler und damit das aus der frei gewählten Anwesenheit resultierende Einverständnis und letztlich die Teilhabe des Publikums an der Aktion beschreibt.


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