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Biomorphe Abstraktionen vor 1945

Der Begriff "biomorph" leitet sich vom griechischen Wort für Gestalt, "morphe", ab und bezeichnet Abläufe und Veränderungen, die von biologischen Vorgängen gesteuert werden. Bezogen auf die Kunst meint biomorphe Abstraktion demnach künstlerische Formfindungen, die, vom Gegenständlichen abstrahiert, organisch und damit oftmals wie unter dem Mikroskop bestaunte Amöben wirken. Für die Kunst wurde der Begriff 1936 erstmals von Alfred H. Barr Jr. nutzbar gemacht.
Biomorphe Formen sind bei Jean (Hans) Arp, Wassily Kandinsky, Fritz Winter und bei den Surrealisten Salvador Dalí, Max Ernst, Joan Miró und Yves Tanguy fassbar.
Bei Jean Arp (1887-1966) heißen die biomorphen Gebilde, die seit den späten 1910er Jahren in seinem graphischen, malerischen und auch skulpturalen Werk auftauchen, "irdische Formen". Jean Arp entwickelte diese zumeist aus geschwungenen Linien bestehenden, oft ovoiden Gestalten aus der Rezeption von Naturmaterialien, die ihm als Inspirationsquelle dienten. Diese biomorphen Formen waren für Jean Arp Symbole des Lebens.
Später als Jean Arp, erst im französischen Exil in den 1930er Jahren, fand Wassily Kandinsky (1866-1944) in seinem Werk zu den biomorphen Formen, deren organische Anmutung sich von den geometrisch komponierten Bildern des Künstlers fundamental unterscheidet. Diese schwebenden biomorphen Formen sind für Wassily Kandinsky Träger innerer Empfindungen und verleihen seiner Überzeugung Ausdruck, der Künstler könne "vom Geheimen durch Geheimes" sprechen.


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