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Bauhaus Weimar

Das Bauhaus, 1919 von Walter Gropius gegründet, hatte bis ins Jahr 1925 seinen ersten Standort in Weimar. Zu den ersten Lehrern, die Gropius ans "Staatliche Bauhaus in Weimar" berief, gehörten Lyonel Feininger, Johannes Itten und Gerhard Marcks, 1921 kamen Paul Klee und Oskar Schlemmer, 1922 Wassily Kandinsky und 1923 László Moholy-Nagy hinzu. Eine wichtige Rolle spielte Johannes Itten (1888-1967): Er entwickelte den obligatorischen Vorkurs, in dem die Studierenden die Grundlagen des harmonischen Gestaltens einübten, und führte bis zu seinem Weggang 1923 mehrere Werkstätten. In diesen Werkstätten, darunter beispielsweise eine Textil-, Metall- und Möbelwerkstatt, fand die handwerkliche Ausbildung statt, die als unabdingbare Grundlage allen bildnerischen Schaffens galt.
Die erste Phase am Bauhaus Weimar bis 1923 war in ihrer Formensprache zunächst dem expressionistischen Stil verpflichtet. Ein schönes Beispiel dafür sind die im "Zackenstil" gehaltenen Holzvertäfelungen im Berliner Haus Sommerfeld, das 1920-21 von den Bauhäuslern als Gesamtkunstwerk realisiert wurde.
Ab 1923 fand ein Paradigmenwechsel hin zu einer rationaleren, technisch orientierten Ausrichtung statt, da man sich verstärkt mit den Erfordernissen der Industriegesellschaft auseinandersetzte. Technik und Kunst wurden fortan als Einheit propagiert. Auf der ersten großen Bauhaus-Ausstellung 1923 bildeten Modelle für Siedlungs- und Typenhäuser einen Schwerpunkt. Walter Gropius beschäftigte sich zunehmend mit der Entwicklung eines "Baukastens im Großen", der Module für den typisierten und damit preisgünstigen und effizienten Wohnungsbau bereitstellen sollte.
Am gleichzeitig stattfindenden gestalterischen Wandel hin zu einem Stil konstruktiver Prägung hatte Theo van Doesburg (1883-1931), Mitbegründer der Bewegung "De Stijl", maßgeblichen Anteil, da er in Weimar einen Kunstkurs anbot, den viele Bauhausschüler besuchten. Die klar gegliederten, funktionalen, Linie und Winkel betonenden Sitzmöbel von Marcel Breuer (1902-81) stehen exemplarisch für den Einfluss von Konstruktivismus und "De Stijl".
Unter dem Druck rechtskonservativer Parteien, die ab 1924 in Thüringen regierten und auf eine Schließung des Bauhauses drängten, entschieden die Bauhausmeister, ihre Verträge in Weimar zu kündigen und auf ein Angebot der Stadt Dessau hin den Sitz des Bauhauses 1925 nach Sachsen-Anhalt zu verlegen.


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