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Auktion: 479 / Klassiker des 20. Jahrhunderts I am 08.12.2018 in München Lot 800

 
Objektbeschreibung
Triebkräfte der Erde. 1944.
Öl auf Papier.
Lohberg 765. Links unten monogrammiert und datiert. 29,5 x 21 cm (11,6 x 8,2 in) , blattgroß.

PROVENIENZ: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (1973 als Geschenk vom Künstler).
Privatsammlung Baden-Württemberg (durch Erbschaft vom Vorgenannten).

AUSSTELLUNG: Triebkräfte der Erde, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster 1981; Städtische Galerie im Beethovenhaus, Villingen-Schwenningen 1982, Kat.-Nr. 75, Ausst.-Kat. mit Abb.
Triebkräfte der Erde. Winter, Klee, Marc, Beuys, Kirkeby, Pinakothek der Moderne, München 27.10.2005-15.1.2006, Kat.-Nr. 8, Ausst.-Kat. S. 26.

"Es bedarf eines größeren Glaubens und einer größeren Kraft, Unsichtbares in freier Gestaltung sichtbar zu machen, als Sichtbares und Fassbares immer nur als solches zu bestätigen."
Fritz Winter

Essay
Fritz Winter kehrt Ende Dezember 1943 nach einer Verwundung an der Ostfront für einen sechswöchigen Genesungsurlaub nach Hause an den Ammersee zurück. Dort entsteht im Geheimen der Werkzyklus „Triebkräfte der Erde“, der ihn nach dem Krieg schlagartig bekannt machen wird. Bereits in seinen früheren Arbeiten wählt er die abstrakte, dynamische Form zur Strukturierung des Raumes. Zwischen 1933 und 1944 experimentiert er mit geometrischen und kristallinen Formen, die in abgestufter Transparenz das imaginäre Licht hinter den Flächen durchscheinen lassen. Das Licht ist bei Winter keinen physikalischen Regeln unterworfen, es gibt keine erkennbare Lichtquelle, vielmehr verteilt es sich, wie in unserem Werk, auf mehrere Punkte. Mit diesem ständigen, verwirrenden Wechsel zwischen hellen und dunklen Flächen, die einen Raum andeuten und doch nicht räumlich sind, erzielt der Künstler ein optisch irritierendes Erleben der Bildfläche. Mit seiner kristallinen Bildstruktur greift Winter auf die gestalterischen Mittel der Kubisten, der Futuristen und von Künstlern wie Lyonel Feininger, Paul Klee und Franz Marc zurück. In der kurzen Zeit des Fronturlaubs entwickelt er diese Ideen, die eigentlich als verboten gelten, in einem Schaffensrausch weiter. Es entstehen um die 50 kleinformatigen Papierarbeiten und fünf Ölgemälde. In ihrer formalen Auffassung ist unsere Komposition bestimmt durch die kristallinen Formen, die durch den hauchfeinen Farbauftrag die Fragilität ihrer Erscheinung bestimmen, und gebettet auf einen dunklen Untergrund, der durch den monotypieartigen Farbauftrag das Krustige der Erde versinnbildlicht. Mit seiner gegenstandslosen Bildsprache versucht Fritz Winter die verborgenen Kräfte der Natur und die grenzenlose Schönheit der Schöpfung sichtbar zu machen. Die Urkraft der Natur, aus sich selbst heraus immer wieder neu zu entstehen, ist seine unerschöpfliche Inspirationsquelle. Ihr Wachsen im Verborgenen und ihr Streben zum Licht wird in der Bildfolge „Triebkräfte der Erde“ von Fritz Winter immer wieder neu in mannigfaltigen Variationen gestaltet. Es sind Bilder des Schöpferischen, die gemäß dem Geistigen in der Kunst das Wesentliche der Dinge durchdringt und erkennbar macht. Sie entstehen aber auch unter dem Eindruck der Repressalien der Zeit, in der Fritz Winter unbeeindruckt von der Nazi-Diktatur an seiner Formensprache festhält und im Verborgenen in der inneren Emigration seine Gedanken gleich einem Samen bewahrt, bis sie zur inneren Reife gelangen und ans Licht gebracht werden. Die Arbeiten werden im Nachkriegsdeutschland als Neubeginn der abstrakten Malerei gefeiert und gelten heute noch als wichtigste Werkgruppe des Künstlers. [SM]
800
Fritz Winter
Triebkräfte der Erde, 1944.
Öl auf Papier
Schätzung:
€ 80.000
Ergebnis:
€ 206.250

(inkl. 25% Käuferaufgeld)
 


Weitere Abbildungen
Fritz Winter - Triebkräfte der Erde - Rahmenbild
Rahmenbild
 
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