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Auktion: 479 / Klassiker des 20. Jahrhunderts I am 08.12.2018 in München Lot 854

 
Objektbeschreibung
Mäanderlied (28.VII.91/2.VIII.91). 1991.
Öl auf Leinwand.
Verso signiert, datiert "28.VII.91/2.VIII.91", betitelt und mit Richtungspfeil sowie bezeichnet "OBEN". 287 x 229 cm (112,9 x 90,1 in).
Dargestellt sind drei Aschetöpfe (Urnen) vor der Brust einer teilweise verdeckten Heldenfigur, davor Volkstanzschritte in Form von zwei Mandorlen.

Wir danken dem Archiv Georg Baselitz, München, für die freundliche wissenschaftliche Beratung.

PROVENIENZ: Galerie Michael Werner, Köln.
Sammlung Prof. Alfred Neven DuMont, Köln (direkt vom Vorgenannten erworben; seither in Familienbesitz).

AUSSTELLUNG: Georg Baselitz, Galerie Michael Werner, Köln 15.11.-31.12.1991, Abb. S. 13 und S. 24 (auf dem Keilrahmen zweifach mit dem Etikett).
Einblick. Die Sammlung Neven DuMont, Ausst.-Kat. Kunstverein Talstrasse, Halle (Saale) 2011, Abb. S. 21.

"Dort auf dem Bild wird, wo es wichtig ist, scharf gezeichnet und wo es ebenso wichtig ist, verschwimmt die Linie, sie schlingert und verschwindet im Dunkeln."
Georg Baselitz, 2018.
"Die Unterbrechung der Malerei [.] wurde überwunden durch eine beeindruckende Reihe von neuen Bildern mit den wieder aufgegriffenen Helden-Motiven aus der Mitte der 60er Jahre. Ohne die Last des Aufbruchs aus der frühen Zeit werden die Paraphrasen über die Helden vornehmlich auf großzügig gemaltem weißem Grund als Umrisslinien gegeben. Sie scheinen zu schweben, und doch gehorchen ihre Bewegungen einer kraftvollen Gestik und Rhythmik, die durch wirkliche Fußspuren des tanzenden Malers und durch Flecken von Weiß und Schwarz über das Bildfeld getragen werden."
Siegfried Gohr, Baselitz. Kunst als Akt des Schaffens und Zerstörens, in: Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, S. 11.



Aufrufzeit: 08.12.2018 - ca. 17.22 h +/- 20 Min.

Essay
Georg Baselitz gilt aufgrund seines herausragenden malerischen Schaffens, das seit den 1960er Jahren immer wieder neue künstlerische Wege gefunden hat, die kunsthistorische Tradition hinter sich zu lassen und zugleich fortzuschreiben, als einer der prominentesten Vertreter der deutschen Gegenwartskunst. Mit seinen Arbeiten will Baselitz gegen festgelegte Kategorien und Regelmäßigkeiten verstoßen, seine Malerei richtet sich gegen die gängigen Vorstellungen von Kunst. 1963 werden in der Galerie Werner & Katz in Berlin die beiden Gemälde "Die große Nacht im Eimer" und "Der nackte Mann", die einen Skandal auslösen, von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Ein anhängiges Verfahren wegen Pornografie wird 1965 eingestellt. 1969 entsteht das erste Gemälde, in welchem der Künstler das Motiv auf den Kopf stellt. Dieser progressive Schritt, der schließlich zu Baselitz` künstlerischem Markenzeichen wird und ihm einen festen Platz in der Kunstgeschichte der deutschen Nachkriegsmoderne sichert, gleicht einem malerischen Befreiungsakt. "Der Malakt selbst emanzipiert sich von der Darstellung, vom Abbildhaften und lässt die Werke gleichzeitig als gegenständlich und ungegenständlich erscheinen. Die simpel anmutende Umkehrung des Sujets abstrahiert dies im fruchtbaren Konflikt zwischen gegenständlicher und ungegenständlicher Darstellung auf formale wie auf inhaltliche Weise." (Toni Stoss, in: Georg Baselitz, Gemälde und Skulpturen 1960-2008, S. 8). 1980 gestaltet Baselitz den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig und nimmt an der Documenta VII teil. Fortan wird sein malerisches Schaffen in zahlreichen internationalen Ausstellungen und Retrospektiven gefeiert, wie 1995 im Guggenheim Museum in New York.
Das bereits durch sein gewaltiges Format beeindruckende Gemälde "Mäanderlied", das Baselitz auf der auf dem Boden seines Ateliers ausgebreiteten Leinwand geschaffen hat, ist ein herausragendes Zeugnis der nach 1990 einsetzenden Werkphase, welche auf der figürlichen Motivik der Heldenbilder aus den 1960er Jahren basiert, diese nun auf den Kopf stellt und in luftiger Malweise sowie mehrschichtiger Übermalung auf die rohe Leinwand setzt. Und so kann der Titel der vorliegenden Arbeit auch als ein Hinweis auf diese, einen progressiven Rückgriff innerhalb des eigenen Werkes beinhaltende Arbeitsweise gelesen werden. Darüber hinaus zeichnet sich Baselitz` "Mäanderlied" auch durch seine herausragende Provenienz aus, da es sich bis zu dessen Tod in der bedeutenden Kunstsammlung des Kölner Verlegers Alfred Neven DuMont befunden hat. [JS]
854
Georg Baselitz
Mäanderlied (28.VII.91/2.VIII.91), 1991.
Öl auf Leinwand
Schätzpreis: € 300.000 - 400.000
+
 


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Bei Objekten, deren Künstler nicht bereits vor mindestens 70 Jahren verstorben ist, fällt eine Folgerechtsumlage i.H. von 1,5% zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer an.
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